Verstärktes Interesse internationaler Investoren an europäischen Werten

Nach der mehrmonatigen Rallye an den Aktienmärkten erfolgte im April eine notwendige Beruhigung, die zu insgesamt moderaten Rücksetzern geführt hat. Da die Börsen seit Oktober ganz im Zeichen erhoffter Leitzins-Senkungen gestanden sind und dabei laufend neue Höchst-Stände erklimmt haben, trat nun die erwartete Korrektur ein.

Verantwortlich dafür waren die klaren Statements der US-Notenbank, dass aufgrund der aktuellen Inflations-Situation in den USA solche Senkungen bis auf weiteres nicht zu rechtfertigen sind. Mit der stagnierenden und sogar leicht anziehenden Teuerung im April sind nach wie vor keine Anzeichen einer dauerhaften Eindämmung des allgemeinen Preisauftriebs erkennbar, weshalb die Leizinsen auf dem unverändert hohem Niveau belassen werden müssen. Laut Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell könne es daher auch noch länger als angenommen dauern, bis mit den ersten Zinssenkungen begonnen werden kann. Zumindest wurde zur Beruhigung der Marktteilnehmer kommuniziert, dass aus heutiger Sicht keine weitere Anhebung der Zinsen angedacht ist, um die Inflation auf den angestrebten Zielwert von zwei Prozent zu drücken.

Wie schon im letzten Marktbericht festgehalten, sind volkswirtschaftliche Tendenzen grundsätzlich schwierig vorhersehbar und gewisse „Überraschungen“ immer möglich. Da sowohl die Wirtschaft als auch der Arbeitsmarkt in den USA in guter Verfassung sind, ist das geldpolitische Vorgehen der Notenbank nachvollziehbar. Diese Feststellungen der Federal Reserve sorgten daher für eine kurzfristige Verstimmung an den Börsen und für verbreitete Gewinnmitnahmen.

Viel wichtiger sind in fundamentaler Hinsicht jedoch die positiven Fakten der Unternehmen. Tatsache ist, dass die Berichtssaison für das erste Quartal 2024 bisher sehr erfreulich ausgefallen ist. Sowohl die Anzahl als auch die Höhe der Gewinnüberraschungen dokumentieren das zurzeit gute ökonomische Fundament vieler Gesellschaften. Anders als in den Quartalen davor sind es nicht mehr allein die allseits bekannten Tech-Firmen, die für die Avancen an den US-Börsen verantwortlich sind, sondern die zunehmende Marktbreite, die damit auch zu einer gewissen Entspannung führt.

Eine zu einseitige Fokussierung auf wenige „gehypte“ Werte verursacht zwangsläufig eine „Schieflage“, die früher oder später in Korrekturen mündet, was unter Umständen auch den Gesamtmarkt in Mitleidenschaft ziehen kann. Folglich ist eine Ausweitung des allgemeinen Investoreninteresses für einen nachhaltigen Börsenaufschwung als unabdingbar zu erachten. Ein solcher benötigt stets eine umfassende Abstützung durch eine Vielzahl an Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, was als sogenannte „Marktbreite“ bezeichnet wird.

Mit anderen Worten: Je mehr Sektoren und Titel im Mittelpunkt der Anleger stehen, umso „gesünder“ ist folglich der Anstieg des Aktienmarktes, was sich aktuell anhand gewisser Indikatoren verifizieren lässt. Diese legen offen, wie viele Unternehmen tatsächlich an einem Aufwärtstrend partizipieren. Dazu zählt beispielsweise unter chart-technischen Gesichtspunkten die Anzahl der Titel eines Index, die über ihrem eigenen 200-Tage-Durchschnitt notieren. Liegt diese Zahl als Faustregel bei über 70 Prozent, können die Markt-Avancen als entsprechend solide betrachtet werden.

Ebenso wird gerne die Entwicklung eines beliebigen Index (z.B. S&P 500) im Vergleich zu seiner gleichgewichteten Version (S&P 500 Equal Weight) herangezogen, da in diesem Fall die Marktkapitalisierung bzw. der Börsenwert einzelner Aktien im Vergleich zum regulären Index keine Rolle spielen. Laufen beide in etwa parallel, ist dies als gutes Zeichen für den Gesamtmarkt zu werten. Unterstützend für die Lage am Aktienmarkt ist auch die Tatsache, dass viele amerikanische Privatinvestoren, die traditionell an die 40 Prozent der US-Werte halten, aufgrund der hohen Zinsen über Cash-Bestände in Rekord-Höhe verfügen und daher in Aktien unterinvestiert sind, was sich jedoch im Laufe des Jahres mit sinkenden Zinsen ändern könnte. Auch was die Sentiment-Indikatoren anbelangt, ist die derzeitige Lage als optimistisch ohne Hang zu einer „gefährlichen“ Euphorie einzustufen.

Europäische Aktien im Fokus

Wie ebenfalls im letzten Marktbericht erwähnt, verdeutlicht sich zunehmend das Interesse internationaler Anleger an europäischen Werten, die bis dato in den Portfolios oft unterrepräsentiert waren. Im Kontext mit der Verlagerung in Richtung günstiger bewerteter Aktien erscheinen speziell die Börsen in Europa vorteilhaft.

Die Wirtschaft des Euro-Raumes zeigt bereits erste Anzeichen, sich aus der Stagnation heraus zu entwickeln. Die Talsohle der Wirtschaftsaktivitäten dürfte dabei aller Voraussicht im vierten Quartal 2023 durchschritten worden sein. Für Q1 zeigen sich leichte Verbesserungen, zumal mit der stark gesunkenen Inflation (2,4% im April 2024) bei unverändertem Zins-Niveau ein spürbarer Anstieg der Real-Einkommen gegeben ist. Auch wenn für heuer noch mit einem unterdurchschnittlichen BIP-Wachstum gerechnet werden muss, sollte dies unter dem Gesichtspunkt von erwartbaren Leitzins-Senkungen für ein ausreichendes Börsen-Momentum sorgen. Aufgrund der geringeren Inflationsdaten in der Euro-Zone wird die EZB wahrscheinlich noch vor der US-Notenbank mit den Zins-Lockerungen beginnen.

Dazu kommt die günstige Bewertung des Gesamtmarktes, die für den Stoxx Europe 600 auf Basis der geschätzten Gewinne bei einem KGV von 14 liegt. In Verbindung mit einem prognostizierten Anstieg der Unternehmensprofite von mehr als zehn Prozent ist somit verständlich, warum große Investment-Banken wie Goldman Sachs europäische Titel ganz vorne auf ihre Empfehlungsliste gesetzt haben. Besonders unter Ausschüttungs-Aspekten sind europäischen Aktien klar im Vorteil. So beläuft sich die geschätzte Dividendenrendite für den Euro Stoxx 50-Index auf etwa 3,5 Prozent, was weit über der Durchschnitts-Rendite amerikanischer Gesellschaften mit 1,5 Prozent liegt.

Aktienmärkte im April 2024

Angesichts der vorangegangenen Kursgewinne erscheinen die Korrekturen des abgelaufenen Monats als geringfügig.

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