US-Berichtssaison und anhaltender KI-Hype sorgen für positives Marktumfeld

Nach der leichten Kurskorrektur im April konnten die globalen Aktienmärkte im Mai wieder zum Teil deutlich zulegen. Verantwortlich dafür waren die überzeugenden Wirtschaftsdaten aus den USA. Die laufende Berichtssaison zeigt einmal mehr die solide Verfassung der amerikanischen Unternehmen, die mehrheitlich hervorragende Ergebnisse für das erste Quartal des heurigen Jahres vorgelegt haben.

Mit Gewinnüberraschungen in Höhe von 80 Prozent kann die aktuelle Situation der Gesellschaften derzeit als ausgezeichnet beschrieben werden. Insgesamt rechnen Analysten für den S&P 500-Index in Q1 mit einem Gewinnwachstum von etwa sechs Prozent, womit auch die Erwartungen für das Gesamtjahr nach oben revidiert wurden. So sollte sich das aggregierte Gewinnwachstum pro Aktie für 2024 gemäß neuester Schätzungen auf über neun Prozent belaufen, was einer Dividendenrendite von verhältnismäßig hohen 3,5 Prozent entspricht. US-Titel werden folglich aufgrund ihrer außergewöhnlichen Profitabilität und Innovationskraft weiterhin erste Wahl bleiben, auch wenn sich internationale Investoren zuletzt vermehrt in europäischen Aktien engagiert haben.

Zur Faktenlage: Der maßgebliche Vorteil der USA im Vergleich zu Europa ist die seit Jahrzehnten bestehende Wachstums-Differenz von durchschnittlich einem Prozentpunkt jährlich, die sich besonders seit der Finanzkrise 2007/2008 ausgeweitet hat. Das höhere BIP-Wachstum ist zwangsläufig das Ergebnis verschiedener Einflussfaktoren, die oft interdependent wirken. So beruht die volkswirtschaftliche Expansion unter anderem auf höheren Profiten der Unternehmen, während umgekehrt ein BIP-Anstieg die Gewinnaussichten der Betriebe entsprechend forciert.

Die allgemeine Überlegenheit von „Corporate America“ gegenüber europäischen Gesellschaften lässt sich vordergründig auf die unternehmensfreundlichere Politik mit geringeren wirtschaftlichen Regulierungsbedingungen zurückführen, weshalb Unternehmen schneller und flexibler agieren können. Aber dieses vorteilhaftere Investitionsklima ist nicht der einzige Grund. Dazu kommt die nicht zu unterschätzende Tatsache, dass die Aufwendungen für Forschung & Entwicklung in den USA mit einem Anteil von 3,5 Prozent am BIP auch klar über dem des Euro-Raums mit knapp 2,3 Prozent liegen, was naturgemäß über Jahrzehnte einen relevanten Standortvorteil ergibt.

Auch führen die USA mit Abstand bei Unternehmensgründungen und der Ausstattung von Start-ups mit dem erforderlichen Risikokapital. Zusätzlich fördert die intensive Zusammenarbeit mit Universitäten und Forschungseinrichtungen ein ideales Umfeld für laufende Innovationen, speziell auf dem Gebiet der „Spitzentechnologie“. Gerade die Technologie als Sektor war es, die seit der Finanzkrise für die in weiten Teilen unangefochtene Vorherrschaft der US-Wirtschaft gesorgt hat. In den vergangenen 15 Jahren wuchsen beispielsweise die Profite der Tech-Branche um 250 Prozent, was erklärt, warum diese Titel mittlerweile den breitgefassten S&P 500-Index dominieren und den Anteil der USA am Weltaktienindex auf 70 Prozent angehoben haben. Der Anlagestil Growth überragt deshalb in seinem Performance-Verlauf seit 2009 auch traditionelle Value-Aktien markant.  

Im Gegensatz dazu konnten europäische Aktiengesellschaften ihre Gewinne im Großen und Ganzen nur unwesentlich steigern, wodurch sich die auffallend große Under-Performance zur USA erklären lässt. Dieser Umstand manifestiert sich folgerichtig auch in der noch immer signifikant geringeren Bewertung der europäischen Aktienwerte. Ohne Technologie lässt sich – zusammenfassend gesagt – kein nennenswerter Produktivitätsfortschritt erzielen. Das zeigt sich im Moment sehr eindrucksvoll im immensen Hype um „Künstliche Intelligenz“, ein Thema, das fast ausschließlich von amerikanischen Unternehmen besetzt und vorangetrieben wird, allen voran von Nvidia, dessen Quartalszahlen im Mai weltweit für höchste Aufmerksamkeit gesorgt haben.

Die präsentierten Ergebnisse dokumentieren überzeugend, in welche Richtung sich KI in den nächsten Jahren entwickeln wird, wobei es nicht mehr um Fiktion, sondern um eine tatsächliche neue „industrielle Revolution“ geht, die nahezu alle Branchen und Wirtschaftszweige tangieren und für eine nachhaltige Steigerung der Unternehmensgewinne sorgen wird. Auch wenn im Moment KI fast ausschließlich mit dem Namen Nvidia gleichgesetzt wird, sind es die bekannten großen US-Tech-Konzerne wie Apple, Amazon, Alphabet, Meta oder Microsoft, die massive Investitionen in den Ausbau ihrer KI-Anwendungen vornehmen.

Diese Entwicklung ist im Grunde nicht mehr zu stoppen und wird sukzessive mehr und mehr Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen erfassen, die allesamt vom Zukunftstrend KI entweder direkt oder indirekt profitieren. Glaubt man namhaften Branchen-Experten wie McKinsey wird die Arbeits- und Unternehmenswelt in zehn Jahren durch den Einsatz von KI und KI-basierten Diensten eine völlig andere sein. Auch wenn in manche dieser Studien gewisse Visionen einfließen, sind heute bereits in vielen Arbeitsbereichen maßgebliche Effizienzsteigerungen und Einsparungspotenziale erkennbar.
Was die aktuellen Rahmenbedingungen der Aktienmärkte anbelangt, spielen zurzeit de facto nur die fundamentalen Unternehmensdaten und das prognostizierte Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten und Europa eine entscheidende Rolle.

Die über Monate als Treiber fungierende „Zinssenkungs-Euphorie“ ist verflogen, da angesichts der stagnierenden Disinflation in den USA mit April-Zahlen von 3,4 Prozent keine Fortschritte im Abbau der Teuerung zu verzeichnen sind. Zinssenkungen der Federal Reserve sind, wenn überhaupt, erst gegen Jahresende in Amerika zu erwarten, was mittlerweile von den Marktteilnehmern auch eskomptiert wurde.

Aktienmärkte im Mai 2024

Alle Börsen weisen für das abgelaufene Monat stattliche Kursgewinne auf.
Vorrangig waren es aber die Wachstums-Titel, die im Zuge der Markterholung und der gegenwärtigen KI-Hausse von Anlegern gesucht waren, wodurch der Growth-Zyklus nach wie vor intakt ist.

Rechts- und Risikohinweis:
Dieser Beitrag ersetzt keine Anlageberatung und stellt weder eine Finanzanalyse, noch ein Angebot, noch eine Empfehlung dar, das genannte Investment zu kaufen bzw. zu verkaufen oder in bestimmte Unternehmen, Märkte oder Branchen zu investieren. Die erwähnte Anlageform kann für bestimmte Anleger ungeeignet sein. Die Behandlung individueller Bedürfnisse des Anlegers im Hinblick auf die steuerliche Situation, Ertrag und Risiko sind Inhalt einer Anlageberatung.

Die erwähnten Anlageformen können für bestimmte Anleger ungeeignet sein. Hohe Kurs- und Wechselkursschwankungen und ein Totalverlust der Anlage sind möglich.

Die Wertentwicklung der Vergangenheit dient nicht als verlässlicher Indikator für zukünftige Entwicklungen. Es wird keine Gewähr für das Eintreten bestimmter Erwartungen geleistet.

Die Angaben basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt ihrer Erstellung. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der angegebenen Daten übernommen.

author
Partner Bank AG