Gold auf dem Weg zum All-Time-High

Nachdem die internationalen Aktienmärkte seit August in einer dreimonatigen Konsolidierungs-Phase verharrt sind, konnten die Börsen im November aufgrund der nachhaltig fallenden Teuerung zu einer signifikanten Erholungs-Rallye ansetzen. Ausschlaggebend dafür waren vor allem die erfreulichen US-Zahlen. Sowohl die allgemeine Inflation als auch die wichtigere Kerninflation befinden sich auf einem stabilen Weg zurück zur Normalität. Mit 3,2 Prozent bzw. einer Core Inflation von vier Prozent könnte die erwünschte Zielmarke von zwei Prozent bereits im Laufe des kommenden Jahres in Reichweite rücken.

Der nachlassende Preisauftrieb in Kombination mit einem etwas schwächeren Lohnwachstum hat zuletzt den Druck auf die amerikanische Notenbank genommen, in den kommenden Monaten weitere Zinserhöhungen zur Inflations-Bekämpfung vorzunehmen. Diese Konstellation war somit der entscheidende Auslöser für Anleger, wieder an die Aktienmärkte zurückzukehren, denn nichts hat in den letzten Quartalen die Börsen mehr belastet als die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Geldpolitik. Mittlerweile gehen sogar viele Ökonomen und Investoren davon aus, dass durch die erwartete konjunkturelle Abschwächung der US-Wirtschaft bereits zur Jahresmitte mit ersten Zinssenkungen zu rechnen ist.

Das mag aus heutiger Sicht eher wie „Wunschdenken“ wirken, da mit den aktuellen Wachstumszahlen für das 3. Quartal in Höhe von 5,2% noch kein wirklicher ökonomischer Einbruch festzustellen ist. Auch wenn der private Konsum gewisse „Ermüdungstendenzen“ aufweist, wird er zurzeit von hohen staatlichen Ausgaben kompensiert. Wie schwierig Schätzungen ganz allgemein sind, hat sich auch im heurigen Jahr gezeigt, als von vielen namhaften Analysten eine deutliche Reduktion des Bruttoinlandsprodukts erwartet wurde, was sich rückblickend in dieser Form nicht eingestellt hat. Tatsächlich hat sich das Wachstum in den USA und der Arbeitsmarkt weitaus robuster gezeigt als noch zu Jahresanfang geschätzt wurde. Je länger der erforderliche Prognose-Zeitraum, umso mehr Variablen kommen zum Tragen und verzerren so die entsprechenden Schätzungen. Besonders unerwartete exogene Faktoren können die Aussagekraft von Wirtschaftsprognosen zunichtemachen.

Aufgrund der Tatsache, dass viele Anleger im Aktienbereich unterinvestiert sind, könnte der starke Kursanstieg im November zu einer klassischen Jahresend-Rallye führen und die Erholung der Märkte bis ins neue Jahr hineintragen. Unterstellt man zudem die Richtigkeit der makroökonomischen Prognosen für 2024, dürfte sich im kommenden Jahr keine Rezession in den USA einstellen, was unterstützend für die globalen Aktienmärkte zu werten ist. Mit einem solchen „Soft Landing“ in den Vereinigten Staaten sowie einem verstärkten europäischen Wirtschaftswachstum könnten speziell die vergleichsweise unterbewerteten Titel aus Europa eine Out-Performance gegenüber US-Werten erzielen. Zumindest signalisieren die momentanen Kurs-Gewinn-Verhältnisse für Europa auf Basis der geschätzten Gewinne (Forward PEs) von knapp 12 eine solche Annahme. Im Vergleich dazu wird der US-Markt im Moment zu einem KGV von über 19 gehandelt.

 

Gold durchbricht die wichtige Marke von 2.000 US-Dollar

Mit einem Wert von über 2.040 Dollar notierte Gold am 1. Dezember auf einem Niveau, das nur mehr knapp vom All-time High entfernt ist. Dieses wurde am 6. August 2020 mit einem Stand von 2.063 US-Dollar erreicht. Verantwortlich für den sehr klaren Anstieg seit Anfang Oktober ist in erster Linie die geopolitische Lage in Nahost, was die Nachfrage nach Gold als „Krisenwährung“ befeuert hat. Wie immer, wenn es zu kritischen wirtschaftlichen oder politischen Situationen kommt, wird global nach einem „sicheren Hafen“ gesucht.

Dabei war der Goldpreis gerade in den letzten Monaten aufgrund der restriktiven Geldpolitik und den hohen Zinsen unter Verkaufsdruck, da erstmals wieder seit langem Anleihen in den Fokus der Anleger gerückt sind. Ein Hochzins-Umfeld stellt immer ein gewisses Problem für Gold dar, weil es die Nachfrage auch in andere Richtungen wie zum Beispiel Geldmarktpapiere oder erstklassige Staats- und Unternehmensanleihen lenkt. Warum dennoch der Goldpreis so avanciert ist, liegt in der tiefgreifenden Problematik des gegenwärtigen Nahost-Konflikts. Sollte sich eine Ausweitung ergeben, könnte es zu immensen Effekten auf die Öl- und Gasversorgung der westlichen Industriestaaten und damit zu explodierenden Energiepreisen kommen, was sich sofort auf die Inflation auswirken und unter Umständen zu einem konjunkturellen Einbruch bzw. einer Rezession führen würde. Davon wären naturgemäß die europäischen Länder am stärksten betroffen, weil sie anders als die Vereinigten Staaten über kaum eine Autarkie im Energie-Bereich verfügen.

Positiv für den Goldpreis ist zudem auch der Umstand, dass im Falle von bevorstehenden Leitzinssenkungen in den USA die relative Attraktivität von Gold wieder zunimmt, was ebenfalls ein Grund für die massiven Zukäufe von Anlegern war. Dazu kommt auch noch der etwas schwächere US-Dollar, der den Erwerb des Edelmetalls günstiger machte.

Weiters ist auch darauf hinzuweisen, dass im heurigen Jahr eine Vielzahl von Entwicklungsländern als Käufer auf dem Goldmarkt aufgetreten sind, darunter auch China als absolute Nummer eins mit Zukäufen von mehr als 180 Tonnen. Das alles sind Gründe, warum Gold in pyhsischer Form als wichtiger Bestandteil jeder Asset Allocation betrachtet werden kann. Gold ist ein essenzieller Diversifikator und damit als strategische Komponente in hohem Maße zweckdienlich für die Ausgewogenheit oder Absicherung von Portfolios.

 
Aktienmärkte im November
Der beeindruckende Kursanstieg im vergangenen Monat brachte viele Börsen wieder in die Nähe ihrer einstigen Höchststände.

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